Bronzekopf Ökonomierat Heinrich Peitzmeier (1863-1952) von Stefan Vollmer (1913-1957) durch den Kreislandwirt Gütersloh Herrn Heiner Kollmeyer und den Geschäftsführer der Landwirtschaftskammer MS-GT-WAF Herrn Ulrich Bultmann an das Wiedenbrücker Schule Museum für Kunst- und Stadtgeschichte. Für das Museum nahmen Stiftungsvorstand Arnold Bergmann und Museumsleiterin Christiane Hoffmann das Kunstwerk entgegen. Der Vermittler und Schwager von Stefan Vollmer, Rudi Bresser freute sich, dass er es noch erleben darf, dass diese besondere Porträtarbeit seines Schwagers ins Museum kommt.

 

Der gebürtige Linteler Heinrich Peitzmeier (1863-1952) ist einer der maßgeblichen Landwirte, Viehzüchter und Funktionsträger der Landwirtschaftspolitik im ausgehenden 19.  und beginnenden 20. Jahrhunderts in Westfalen.

Mit der Ernennung zum Ökonomierat 1917 wurde diese Lebensleistung gewürdigt und seine Position in der heimischen Landwirtschaft untermauert. Als aktiver Landwirt war Peitzmeier sowohl in der Pferdezucht, vornehmlich aber in der Rinderzucht erfolgreich und später u. a. auch als Berater für die Kultivierung von Heideflächen im Emsland tätig. Seine großen Verdienste um die Schwarzbunt-Zucht legten die Grundlagen für eine erfolgreiche und planmäßige Veredelung der Rasse, die bis heute fortwirkt.

Mit der Gründung der Herdbuchgesellschaft 1925 in Hamm, die 1993 in der Rinderunion aufgegangen ist,  legte Peitzmeier für die Landwirtschaft wichtige moderne Tierveredelungsmaßstäbe. Der Platz vor den Zentralhallen in Hamm trägt bis heute seinen Namen.

Peitzmeier war einer der Ersten, der Zuchtbullen im ganzen Deutschen Kaiserreich zur Veredelung der Tierbestände vor Ort – meist in Ostpreußen – kaufte und nach Westfalen importierte. So trug er maßgeblich zur Steigerung der viehwirtschaftlichen Erträge bei, die nicht nur die Einkommenssituation auf den Höfen, sondern auch die Ernährungslage der Bevölkerung deutlich verbesserte.

Seine eigenen Zuchterfolge der von ihm gezüchteten Schwarzbuntrinder wurden regelmäßig mit höchsten Auszeichnung und Verkaufsrekorden belohnt.

Um Zuchterfolge entsprechend zu würdigen, wurde ab 1952 nach seinem Tod bis in die 60er Jahre die „Peitzmeier-Plakette“ des Landes Nordrhein-Westfalen verliehen. Diese Aus-zeichnung war im doppelten Sinne wertvoll: einmal wurde die  Medaille aus echtem Silber hergestellt und darüber hinaus vom Künstler Stefan Vollmer geschaffen. Stefan Vollmer hatte Peitzmeier 1947 noch zu dessen Lebzeiten porträtiert. Nach dem  Tode von Peitzmeier in 1952 wurde die Medaille posthum nach dem Abbild des Landwirtes und Ökonomierates ebenfalls von Vollmer entworfen und hergestellt.

 

Zum Künstler

Stefan Vollmer (1913-1957) wurde im Atelier Wilhelm Siebe von 1927 bis 1931 ausgebildet. Danach vertiefte er seine künstlersiche Ausbildung mit dem Besuch der renommierten Kunstgewerbeschule Bielefeld und studierte von 1934 bis 1937 an der Kunstakademie München. Dort blieb er als Assistent bei verschiedenen Professoren, bis er zum Kriegsdienst eingezogen wurde. 1943 wurde er schwer verletzt und kam so zurück nach München. Dort wurde er mit dem Jubiläumsstipendium ausgezeichnet. 1947 übernahm er den Porträtauftrag für einen Bronzekopf des Ökonomierates Heinrich Peitzmeier. Er gestaltete den Kopf nach dem lebenden Modell. Die Heinrich-Peitzmeier Medaille musste er nach dessen Tod posthum anfertigen, was ihm nach dem Urteil der Zeitgenossen bestens gelang.

 

In diesem Jahr signiert Vollmer mit München und Wiedenbrück, wie an dem Bronzekopf der in zweifacher Ausführung ausgeführt wurde, zu lesen ist. Dieser Kopf der jetzt an das Wiedenbrücker Schule Museum für Kunst- und Stadtgeschichte als Dauerleihgabe von der Landwirtschaftskammer, Kreisstelle Gütersloh, in Person von Kreislandwirt Heiner Kollmeyer und Geschäftsführer Ulrich Bultmann übergeben wurde, war bis zum Auszug im bekannten „Haus des Bauern“ in Rheda-Wiedenbrück an der Bielefelder Straße ausgestellt.

 

Am Rande der  kleine Feierstunde übergab Rudi Bresser dem Museum noch eine der letzten von Stefan Vollmer ausgeführten Modellarbeiten, den bronzierten Gipsentwurf einer Verdienstmedaille für das Ministerium für Landwirtschaft und Forsten des Landes Nordrhein-Westfalen aus dem Jahre 1957.

 

Absehbar werden beide Objekte in der Stadtgeschichtlichen Abteilung des Museums Aufstellung finden.