Verlängert bis zum 30. Juni 2018 -Die neue Sonderausstellung „Möbelfabrik Bernhard Pflug GmbH Wiedenbrück – Gestern und Heute“  präsentiert aus dem Originalbestand der Firma und dem Familienbesitz Fotos, Pläne, Gemälde und Unterlagen die die Entwicklung der Firma von Anfang 1920 bis zur Auflösung der Firma 1973 zeigen.

Auch die zeitgenössische Entwicklung mit dem Abriss der ehemaligen Fabrikhallen und dem Wohnhaus der Unternehmerfamilie und dem zukünftigen neuen Wohngebiet wird in der Ausstellung präsentiert.
Mit dem Tod des Enkels des Firmengründers Bernhard Schrobenhauser 2015, wurde das ehemalige Fabrikgelände und das Wohnhaus verkauft, neu überplant und seit Ende 2017 durch Abriss nachhaltig verändert.

Die Firma Möbelfabrik Bernhard Pflug GmbH Wiedenbrück wurde 1920 von Bernhard Pflug im Haus seiner Schwiegereltern an der Langen Straße 79 in Wiedenbrück gegründet. Die Schwiegereltern und vorangegangenen Generationen waren in dem Gebäude als Stellmacher und Wagenbauer tätig. Holzspezialisten waren durch die Wiedenbrücker Schule, die in diesen Jahren ihren Niedergang erlebte vorhanden.
Bereits 1924 kaufte Bernhard Pflug ein großes Gelände jenseits des damaligen Stadtkerns. Ein Gebiet an der Hellingrottstraße, das zu dem Zeitpunkt wenig bebaut war, wurde mit Reserveflächen von dem jungen Firmengründer und seiner Frau erworben. Das alte Haus an der Langen Straße wurde dafür verkauft.
1924 entstanden die ersten Fabrikgebäude und ein Wohnhaus für die Familie auf der anderen Straßenseite.
Die Firma Pflug fertigte Schlafzimmer. Bis 1939 wurde die Produktion kontinuierlich gesteigert. Nach dem Ende der Wirtschaftskrise und dem Aufleben der Wirtschaft, hatte Pflug Probleme bei der Holzbeschaffung. Er gründet daher in Unterwössen, Bayern ein Sägewerk mit eigenem Holzeinschlag. Daher bestand die Tätigkeit der Firma in Wiedenbrück in Möbelfabrikation und in Bayern als Holz und Sägewerk.
Von 1939-1945 wurde die zivile Produktion eingestellt. Die Firma Pflug wurde zum Rüstungsbetrieb. Es wurden Packkisten und Flugzeugkanzeln aus Holz produziert. Mit Kriegsbeginn wurden die Mitarbeiter eingezogen und bei der Firma Pflug wurde die Produktion mit Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern  weitergeführt.
Nach der Wiederzulassung des Betriebes wurden wieder Schlafzimmermöbel produziert. Die Firma prosperierte in den frühen 50er Jahren und der Betrieb wurde erweitert. Messeauftritte auf der Kölner Möbelmesse war Bernhard Pflug vertreten.
Auch die Nachbarschaft an der Heilingrottstraße wurde mehr und mehr bebaut, wie Luftaufnahmen zeigen. Die Tochter von Bernhard Pflug, Maria heiratete Matthias Schrobenhauser. Matthias Schrobenhauser wurde Geschäftsführer der Firma seines Schwiegervaters. Bis 1963 wuchs die Firma „Bernhard Pflug Möbelfabrik GmbH Wiedenbrück“ kontinuierlich und hat nach eigenen Angaben 5,5 Millionen Mark in die Firma investiert.
Bis 1973 wurden die Geschäfte geführt und dann die Firma aufgelöst.
Der Firmengründer Bernhard Pflug verstarb 1975. Der Schwiegersohn Matthias Schrobenhauser (geborgen 1.2.1920) verstarb 1986 mit 66 Jahren und seine Frau Maria (geboren 1926) verstarb 1998 mit 72 Jahren beide in Wiedenbrück. Der gemeinsame Sohn Bernhard (1953-2015) lebte bis zu seinem Tod 2015 in dem Wohnhaus in der Hellingrottstraße 40.

Die Ausstellung ist möglich geworden durch den Ankauf von Gemälden und Kunstwerken aus dem Familienbesitz Pflug / Schrobenhauser und Überlassung von Leihgaben von Georg Effertz an den Heimatverein Wiedenbrück. Die Heimatfreunde Dr. Dieter Heimann und Ulla Grünewald konnten noch weitere Betriebsunterlagen und Erinnerungsstücke retten und ebenfalls an den Heimatverein weitergeben. Darüber hinaus erlaubte die Tageszeitung „Die Glocke“ die Verwendung der gezeigten Zeitungsseite vom 20. Januar 2018, Redakteur Lars Nienaber. Der gezeigte Rahmenplan der zukünftigen Bebauung des Geländes Pflug wurde im März 2018 von der Stadt Rheda-Wiedenbrück genehmigt. Der Plan wurde von der Bürogemeinschaft Stadtplanung und Kommunalberatung, Tischmann Schrooten, Stadtplaner, Architektin PartGmbB, Berliner Straße 38, 33378 Rheda-Wiedenbrück aufgestellt und von den Eigentümern in der Verwendung genehmigt.

Herzlichen Dank an Alle die das Zustandekommen der Ausstellung möglich gemacht haben. Die Ausstellung ist während der Öffnungszeiten des Museums zu sehen.

Katja Goldau, Stadt Rheda-Wiedenbrück
Roger Loh, Büro Tischmann-Schrooten
Dr. Dieter Heimann,
Ulla Grünewald,
Georg Effertz
Lars Nienaber
Torsten Nienaber
Manfred Schumacher
Maria Wibbe
Klaus Wibbe

Das Gemälde in der Ausstellung das das Möbelwerk in Wiedenbrück zeigt wurde von der einzigen Frau der Wiedenbrücker Schule, Ima Rochelle-Hartmann (1930-2013)gemalt.