Geschichte des Museumsgebäudes

Seit November 2008 beherbergt die 1905 fertiggestellte ehemalige Altarbauwerkstatt Diedrichs & Knoche am Rande der Wiedenbrücker Altstadt das Wiedenbrücker Schule Museum. Besuchern des Museums fällt sofort das überregional bekannte „Wiedenbrücker Künstlerhaus” auf, welches das frühere Wohnhaus der Inhaber war und vor dem Museum an der Rietberger Straße steht. Museum und Künstlerhaus bilden ein Ensemble und zeigen eindrucksvoll den historistischen Baustil des frühen 20. Jahrhunderts auf.

Im Vordergrund das Wiedenbrücker Künstlerhaus nach umfassender Renovierung (um 2005). Es wird seit jeher als Wohnhaus genutzt. Im Hintergrund ist das Werkstattgebäude zu erahnen. Es befand sich noch im unrenovierten Zustand. Auffällig ist der das Gebäudeensemble verbindende historische Baustil.
Das Wiedenbrücker Schule Museum kurz nach der Fertigstellung im Jahr 2008.

Die Bauherren des Ensembles waren die beiden Kunsthandwerker Bernhard Diedrichs und Franz Knoche:

Bernhard Diedrichs

Bernhard Diedrichs wurde am 25.07.1861 in Oelde geboren. Von 1875 bis 1879 ging er bei der Werkstatt Brockhinke als Kunsttischler in die Lehre. Er arbeitete auch noch dort, als Brockhinkes Nachfolger und Schwiegersohn Anton Becker den Betrieb bereits übernommen hatte.

Franz Knoche erblickte das Licht der Welt am 09.06.1870 in Wadersloh. Auch er ging bei Theodor Brockhinke in die Lehre, aber etwas später, von 1884 bis 1888. Nachdem er seine Lehre beendet und einige Zeit im Hause Brockhinke gearbeitet hatte, fasste er den Entschluss, eine akademische Ausbildung anzuschließen. Diese schloss er erfolgreich mit einem Studium an der Akademie für bildende Künste in Erkelenz ab. Es folgten verschiedene Anstellungen in einigen Kunstgeschäften. Er machte sich in den 1890er Jahren schließlich mit seinem Schwager Bernhard Diedrichs in Wiedenbrück selbstständig.

Das Geschäft florierte in den ersten Jahren, sodass mehrere Arbeitskräfte eingestellt wurden. Diedrichs und Knoche verschuldeten sich jedoch hoch mit dem Bau von Werkstatt und Künstlerhaus, sodass die Werkstatt geschlossen werden musste, nachdem die Auftragslage zu Beginn des 20. Jahrhunderts zurückgegangen war. Bernhard Diedrichs erlebte die Insolvenz jedoch selbst nicht mehr, da er am 24.08.1912 in Wiedenbrück verstarb. Werkstatt und Wohnhaus mussten wenige Jahre nach dem Tod Diedrichs zu beginn des großen Kriegs verkauft werden, um die immensen Schulden zu tilgen. Franz Knoche ging nach Berlin, wo er 1931 eine Stelle als Buchhalter annahm. Franz Knoche starb am 31.10.1942 in Berlin.

In den 1920er Jahren wurden Haus und Werkstatt von der Möbelfirma Gebr. Dreier als Produktionsstätte genutzt. Während des 3. Reichs wurde der große Produktionsraum der Altarwerkstatt zur Versammlungsstätte umfunktioniert. Ab 1947 bewohnten schließlich Kriegsflüchtlinge das ehemalige Werkstattgebäude. Dieses war zuvor von der Spar- und Darlehenskasse, der damaligen Eigentümerin, umgebaut und mit Wohnungen ausgestattet worden. Wohnhaus und Grundstück wurden später von dem Bauunternehmen Eustermann gekauft. Sie dienten nun der Unterbringung ausländischer Arbeitskräfte. Diese Funktion hatte bis in die 1970er Jahre bestand.

Im Bau: Das Wiedenbrücker Schule Museum im Mai 2007.

Mit der Gründung der Stiftung Ausstellungs- und Begegnungsstätte Wiedenbrücker Schule und dem damit verbundenen Museumsprojekt fiel im Dezember 2005 der Startschuss zum heutigen Wiedenbrücker Schule Museum. Das ehemalige Werkstattgebäude wurde bis Ende des Jahres 2008 umfassend renoviert und umgebaut und beherbergt seitdem ein außergewöhnliches Museum zur Kunstgeschichte des Historismus. Es hat zudem einen Teil seiner Ausstellung der Wiedenbrücker Stadtgeschichte gewidmet.